Das Artensterben ist leider nicht nur ein bayrisches, deutsches oder europäisches Problem. Weltweit sterben die Arten in einer Geschwindigkeit aus, die 1000-mal höher ist als das normale Hintergrundrauschen. Daher spricht man auch vom 6. Massenaussterben der Erdgeschichte. Eine Petition will das verhindern.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten hat das heutige Massenaussterben keine natürlichen Ursachen – wie Vulkanismus, Kontinentalverschiebung oder Meteoriteneinschläge. Stattdessen wird es allein durch die zerstörerischen Aktivitäten von uns Menschen verursacht. WIR vernichten Lebensräume, wie artenreiche Regenwälder und Korallenriffe. WIR betreiben industrielle und rücksichtslose Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft und WIR vergiften und verschmutzen die Umwelt (Pestizide, Plastik im Meer, usw.). Dazu kommen Klimawandel, die Ozeanversauerung und viele weitere, rasant zunehmende globale Bedrohungen. Der Artenschwund ist die am übelsten überschrittene und leider auch die einzige irreversible „planetarische Grenze„. Beim Aussterben gilt: „Futsch ist futsch“, mit unabsehbaren Konsequenzen für uns alle.

Wie viele und welche Arten gibt es eigentlich auf der Erde?

Wir wissen es nicht einmal annähernd: Sind es insgesamt 3 oder 10 oder 100 Millionen Tierarten? Und wie viele davon sterben gerade aus? Man schätzt, dass pro Jahr 20.000 bis 50.000 Arten verschwinden. Das sind alle paar Minuten eine Art, Tendenz steigend. Wie viele und welche Arten bleiben wohl bis zum Jahr 2050 übrig, wie viele bis zum Jahr 2100? Werden unsere biologisch verarmten Böden, Wälder und Meere dann noch funktionieren? Uns ausreichend Nahrung, Arzneimittel, Erholung, sauberes Wasser und Sauerstoff liefern? Und was genau verlieren wir mit der schwindenden genetischen und ökologisch-funktionellen Diversität noch alles? Niemand weiß das auch nur annähernd!

Eine Petition zum Schutz der globalen Artenvielfalt

Um dieses katastrophale weltweite Artensterben zu stoppen, haben Prof. Dr. Michael Schrödl und Dr. Vreni Häussermann eine Petition gestartet und fordern: Schutzmaßnahmen für Tiere, Lebensräume, Umwelt und Klima müssen endlich die nötige Priorität bekommen! Weltweit.

Eine Petition hat – im Gegensatz zu einem Volksbegehren – keinerlei rechtliche Verbindlichkeit. Aber eine Petition kann dennoch viel bewegen, da sie zum einen hilft, das Problembewusstsein zu fördern; zum anderen kann sie Politiker stark unter Druck setzen, wenn viele Menschen die Petition unterschreiben.

Wir fordern deshalb: Artenvielfalt erforschen, solange es sie noch gibt!

Wir brauchen dringend Daten, welche Arten es wo gibt und was sie dort tun. Solange es sie noch gibt. Denn klar ist:

Man schützt nur das, was man schätzt, und man schätzt nur das, was man kennt.

Also brauchen Arten eine Identität! Sie brauchen, wie wir Menschen auch, Namen, Gesichter und Geschichten, um in ihrer Existenz wahrgenommen und in ihrem Recht auf Existenz akzeptiert zu werden! Uns Menschen muss bewusst werden, für welche Fülle an Arten, an Leben, an Leistungen in der Natur wir verantwortlich sind.

Diese Forderung schließt natürlich nicht aus, dass wir sofort den Schutz der Artenvielfalt massiv ausbauen müssen. Wir kennen ja die wesentlichen Faktoren, welche die Artenvielfalt reduzieren: Naturzerstörung, Vergiftung und Versauerung der Böden, Gewässer und Meere, Zerstückelung der Landschaft, und Erhöhung der Temperatur durch die anthropogen verursachten Emissionen von Treibhausgasen. Eine Erforschung der Artenvielfalt ohne parallele massive Schutzmaßnahmen sind wirkungslos. Aber wir müssen auch die Kenntnis von und das Verständnis und die Faszination für die Artenvielfalt erhöhen, um Arten effektiver schützen zu können.

Ziel der Petition

Das Ziel der Petition ist die globale Erfassung der Tierarten, als Grundlage für wirksamen Schutz und effektive Kontrolle der Schutzbemühungen. Wir brauchen viel mehr taxonomische Grundlagenforschung und fordern als erste Sofortmaßnahme 100 zusätzliche Dauerstellen für TaxonomInnen an deutschen Museen und Universitäten!

Begleitend wird die Petition auch weltweit, auf Englisch und Spanisch, gestartet. Dabei wird der Appell für eine internationale, kooperative und effiziente Arteninventur an die Vollversammlung der UNO gerichtet.

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

PS: Prof. Dr. Michael Schrödl und Dr. Vreni Häussermann, Preisträgerin der renommierten Rolex Awards 2016, sind Biologen. Als Erforscher des Lebens haben sie es schlichtweg satt, hilflos zusehen zu müssen, wie die üppige Vielfalt des Lebens – die wir als Menschheit dringend brauchen – fast überall auf der Welt immer schneller vor die Hunde geht. Sie wollen informieren, wachrütteln und konkrete Lösungsansätze aufzeigen. Es ist allerhöchste Zeit die Arten zu erforschen und das große Artensterben zu stoppen! Damit aus der Vielfalt des Lebens, der Biodiversität, nicht allzu rasch und überraschend „BiodiversiTOT“ wird, haben sie ein aufrüttelndes, kritisches, auch provokantes Buch geschrieben (www.biodiversitot.de).